IT-Standards sind für unternehmensübergreifendes Systems Engineering unverzichtbar – doch welche eignen sich dafür am besten? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Standardization Strategy Board (SSB), ein Gemeinschaftsprojekt des prostep ivip Vereins und des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Die Projektgruppe wurde 2016 mit der Vision gegründet, unternehmensübergreifendes Systems Engineering (Collaborative Systems Engineering, CSE) auf Basis von Engineering-IT-Standards zu ermöglichen.
Die Projektgruppe analysiert kontinuierlich die für das Systems Engineering relevanten IT-Standards, priorisiert diese und bewertet ihren Reifegrad, um daraus gemeinsame Strategien und Handlungsempfehlungen für deren Umsetzung und Anwendung abzuleiten. Ziel ist eine durchgängige Abdeckung der im CSE-Prozess benötigten Geschäftsobjekte und Schnittstellen durch geeignete Standards, um die Vision des digitalen Zwillings zu realisieren. Darüber hinaus greift das SSB zukunftsweisende Trends in der Produktentwicklung sowie die daraus entstehenden unternehmensübergreifenden Herausforderungen auf und bringt diese in die entsprechenden Gremien und Fachgruppen ein.
Im vergangenen Jahr 2025 wurde die Arbeit des SSB maßgeblich durch die Themen Nachhaltigkeit sowie die Anforderungen geprägt, die sich aus der Entwicklung zunehmend softwaredefinierter Produkte ergeben. Aus Sicht des SSB haben beide Aspekte einen immer stärkeren Einfluss auf den gesamten Produktlebenszyklus – nicht nur auf die Produktentwicklung – sowie auf PLM-IT-Architekturen. Diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen; vielmehr wird dieser Trend die kommenden Jahre auf unbestimmte Zeit prägen.
Im ersten Halbjahr organisierte und führte das SSB eine Umfrage zur Durchdringung und Umsetzung regulatorischer Anforderungen im Bereich Nachhaltigkeit durch. Ziel war es, zu ermitteln, wie die Bedeutung, der Kenntnisstand und die Umsetzung von Nachhaltigkeitsthemen in den Unternehmen der prostep ivip-Mitglieder eingeschätzt werden. Darüber hinaus wurde ein Meinungsbild zur Relevanz konkreter Regulatorien und Standards in der industriellen Praxis erhoben.
Als Fortführung und Ergänzung dieser Arbeit fand am 3. Dezember 2025 der prostep ivip Sustainability Day statt. Auf der Agenda standen interessante Beiträge von Verantwortlichen für Nachhaltigkeit sowie Referenten mit ausgewiesener Expertise im Umgang mit diesem Thema in der industriellen Praxis. Die Ergebnisse der Umfrage und die Erkenntnisse des Sustainability Day werden im ersten Halbjahr 2026 in einem White Paper veröffentlicht.
Das Thema Softwareentwicklung und deren Bedeutung für domänenübergreifende PLM-Prozesse begleitet das SSB bereits seit mehreren Jahren. Im Rahmen des prostep ivip Symposiums 2025 fand hierzu erneut ein Workshop statt.
Wie in den vergangenen Jahren wurden auch 2025 weitere Fact Sheets erarbeitet. Das Fact Sheet Release Package wurde im prostep ivip Confluence veröffentlicht, und die Liste der verfügbaren Fact Sheets auf der prostep ivip-Webseite entsprechend erweitert und ergänzt.
Eine zentrale Herausforderung war die Konzeption, Durchführung und Auswertung der Nachhaltigkeitsumfrage. Die größte Schwierigkeit bestand darin, trotz der im Vergleich zu früheren SSB-Umfragen deutlich geringeren Beteiligung valide und aussagekräftige Erkenntnisse zu gewinnen.
Im Jahr 2026 wird das SSB das Thema Nachhaltigkeit mit der Veröffentlichung eines White Papers vorerst abschließen. Das Thema „Standards and Processes for Software-Defined Product Development“ wird weitergeführt. Neu hinzu kommen die beiden Schwerpunkte „Meta Data Management in Synchronous Collaborations and Dataspaces“ sowie „Strategy for Lean Digital Engineering Transformation“. Die Erstellung, Pflege und Veröffentlichung von Fact Sheets wird auch 2026 fortgesetzt.
„Der SSB hat sich als Gremium mit konstanter Zusammensetzung und sehr engagierten Teilnehmern etabliert. Wir sind froh, dass wir auch die Zusammenarbeit mit den IT-Vendoren nun initiieren konnten, um weitere Schritte in Richtung Umsetzung von Standards in den Softwareprodukten anzugehen.“
„Wir freuen uns im laufenden Jahr auf Ergebnisse der jungen Projektgruppe Collaborative Digital Twins und sind gespannt, welche Anforderungen an die zukünftige Zusammenarbeit daraus auf fachlicher, technischer und organisatorischer Ebene entstehen. Natürlich werden wir auch die enge Zusammenarbeit mit anderen Projekten im prostep ivip, wie dem CPO und die Zusammenarbeit mit den IT-Vendoren fortsetzen und ausbauen. Unser klares Ziel ist es, die Nutzung der Datenstandards sowohl auf Anwenderseite als auch auf Seiten der Software-Hersteller weiter voranzubringen“