In der aktuellen Ausgabe der D1G1tal Agenda gewährt prostep ivip spannende Einblicke in die Gedankenwelt und das Vorgehen des Verbands.

Software-defined Products (SdP), künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge haben das Zeug, die industrielle Fertigung grundlegend zu verändern. Doch nur gemeinsam entwickelte Standards und der intensive Austausch im Rahmen der vorwettbewerblichen Zusammenarbeit ermöglichen den Durchbruch dabei.

SOFTWARE-DEFINED PRODUCTS

52 Monate oder 120 Wochen? So unterschiedlich sind die Entwicklungszeiten in der europäischen und chinesischen Automobilindustrie. Die Diskrepanz ist überdeutlich, jedoch ist sie nur eine Momentaufnahme im Rennen um Marktanteile. Die Nase vorn haben werden in Zukunft diejenigen, die neue Technologien auf Basis von Ansätzen wie Softwaredefined Products oder Agentic AI für sich zu nutzen wissen, die gleichzeitig aber auch die Art und Weise, wie mit Partnern zusammengearbeitet wird, kritisch hinterfragen und weiterentwickeln. 

Genau diese vorwettbewerbliche Zusammenarbeit organisiert der prostep ivip Verein mit Sitz in Darmstadt. 
Die Organisation bringt führende Industrieunternehmen, IT-Systemanbieter und Forschungseinrichtungen zusammen, um Methoden und Prozessdesigns für künftige Produkt-plattformen zu entwickeln. Im Vorstand vertreten sind die weltweit tätigen Unternehmen Volkswagen, Airbus, AVL, Mazda, Unity sowie die Exzellenzuniversität TU Berlin – ein Beleg für die Relevanz und die internationale Strahlkraft der Handlungsempfehlungen. 

Neue Prämissen

Der Schwerpunkt in der Produktentstehung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben: Die Vorstellung von einem Produkt, dessen Wertbeiträge weitgehend von Hardware und elektrischen beziehungsweise elektronischen Komponenten kommen, ist einer Vorstellung gewichen, die Produkte in einem ganzheitlichen Kontext betrachtet – als Systeme und Teile von größeren Systemen (Systems of Systems, SoS). Produkte sind inzwischen in der Lage, aus sich selbst heraus mit ihrem Betriebsumfeld zu kommunizieren. Eine Konsequenz ist, dass die gegenwärtigen Architektur von Produktsystemen überdacht werden müssen, nicht zuletzt unter dem Aspekt von Nachhaltigkeit und neuen Geschäftschancen. 

Plattform-Ansätze

Eine Schlüsselstrategie aus technologischer Sicht zur Umsetzung von SoS- Produkten ist die Plattformstrategie. Allerdings handelt es sich dabei nicht nur um eine einzige Plattformstrategie, sondern mindestens um zwei: 
• eine kombinierte Hardware- und E/E-Plattform für die Entwicklung von mechanischen Komponenten, Systems-on-a-Chip, Sensorik und Controller 
• eine Softwareplattform für die Bereitstellung von Middleware und Produktbetriebssystem 

Die Funktionsentwicklung und deren Bereitstellung (Deployment) sollte cloudbasiert stattfinden, um beispielsweise Szenarien wie die Nutzung von Daten aus dem Betrieb und Over-the-Air-(OTA-)Updates von Funk- tionen verwirklichen und neue Geschäftsfelder erschließen zu können. Die ruft auch eine dedizierte Cloudstrategie auf den Plan.