"Digital Data Package" (DDP)

Aufgabenstellung & Zielsetzung

Die Entwicklung erfolgreicher Produkte basiert heute mehr denn je auf dem nahtlosen Zusammenspiel der Disziplinen Mechanik, Elektrik/Elektronik und Software sowie weiterer, vor- und nachgelagerter Prozessschritte in der Produktentstehung. Angesichts zunehmender Komplexität und unternehmensübergreifender Kooperationen ist der Aufbau eines durchgängigen, modellbasierten Digital Thread die zentrale Herausforderung für Digital Twins und KI-Anwendungen. Hierfür ist es nicht ausreichend, nur die Metadaten von Gesamtmodellen zu betrachten. Vielmehr müssen einzelne Inhalte – wie z.B. Anforderungen, Funktionen, Wirkgeometrien, Toleranzen oder Prüfergebnisse – über System- und Unternehmensgrenzen hinweg für alle Beteiligten zugänglich und nutzbar sein.

Die prostep ivip / VDA Arbeitsgruppe DDP (Digital Data Package) widmet sich dieser Aufgabe, indem sie eine semantisch vernetzte, logische Struktur für den Datenaustausch entwickelt und pflegt. Hierbei ist hervorzuheben, dass ein Digital Data Package nicht zwingend ein Paket einzelner Dateien ist, sondern ein zusammenhängendes, semantisches Konstrukt von Informationen und Verweisen, das die modellbasierte, kollaborative Entwicklung umfassend unterstützt. Im Jahr 2025 konnte die Gruppe ihre Arbeit durch die Standardisierungsinitiative CASCaRA bei der OMG erfolgreich auf die internationale Ebene heben und somit die Grundlage für eine breite industrielle Akzeptanz legen.

 

Schwerpunkte & konkrete Ergebnisse

In diesem Jahr verlagerte sich der Fokus auf die Vertiefung der Anwendungsfälle und die Erweiterung des Informationsmodells in Abstimmung mit den Anforderungen des Digital Thread.
Zu wichtigen Ergebnissen dieses Jahres zählen:

  • Erweiterung des Anwendungsumfangs: Neue, strategische Use Cases – darunter Joining Technology, Sustainability und der Hand-over zu Digital Twins (AASX) – wurden in den Plan integriert. Durch das Onboarding neuer Mitglieder aus dem BlueHarvest-Konsortium wurde die Abdeckung von MBSE/Architekturdaten-Austausch und Collaborative Requirements Engineering gestärkt. 
  • Technische Modellvertiefung: Das Informationsmodell wurde 2025 signifikant erweitert und deckt nun kritische Fertigungsdetails ab, die über die reine Geometrie hinausgehen, wie Fluids, Painting & Coating, Marketing & Labeling, Heat Treatment und Bending Specification. Dies ist essenziell für die digitale Kontinuität im Digital Thread in Richtung Fertigung. 
  • Validierung & Dissemination: Die digitale Verfügbarkeit und menschliche Lesbarkeit über Formate wie (3D)PDF und HTML wurde untersucht. Zudem wurde auf dem JT Day 2025 demonstriert, wie DDP geometriebezogene Informationen semantisch darstellt, insbesondere durch Nutzung der JT „External Element References“. 

 

Organisatorische & technische Herausforderungen

Die größten Herausforderungen lagen in der strategischen Positionierung und der technischen Konsistenzsicherung:

  • Agile Kooperation und Vertrauen: Im Gegensatz zu anderen Vereinsgruppen arbeitet das DDP Projektteam in einer einzigen Projektgruppe agil zusammen, die Anwenderunternehmen und Software-Vendoren vereint. Dies erfordert ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen und Engagement der Beteiligten. 
  • Strategische Positionierung im Standard-Ökosystem: Es war erforderlich, die Alleinstellungsmerkmale des DDP gegenüber parallelen Initiativen (wie z.B. AASX) zu schärfen und konsequent auf die Semantik-Fokussierung zu setzen, um die Relevanz und Alleinstellungsmerkmale des Standards zu verdeutlichen. 
  • Intensive Koordination der Arbeitsgruppen: Um Synergien zu maximieren und Doppelarbeit zu vermeiden, war eine fortlaufend enge Abstimmung mit prostep ivip Arbeitsgruppen wie CDT (Collaborative Digital Twins) notwendig. 
  • Industrialisierung und Akzeptanz: Die marktbeherrschenden PLM-Vendoren müssen noch stärker zur Zusammenarbeit bewegt werden, um die Projektergebnisse schneller in die industrielle Praxis zu überführen und die Akzeptanz bei Anwendern zu steigern.   

 

Das ist die Planung für das Jahr 2026

Die Planung für 2026 zielt auf die Konsolidierung, Dokumentation und breite Industrialisierung ab:

  • Dokumentation und Visualisierung: Die DDP Recommendation wird aktualisiert. Zudem werden klare Darstellungen für den Ontology-Stack entwickelt, um die Komplexität zu veranschaulichen und gleichzeitig die Anwendungsbereiche verständlich und übersichtlich darzustellen. 
  • Fokus Use Cases: Die Arbeit an den spezifischen Anwendungsfällen DDP for MBSE & System Simulation, DDP for Joining und DDP for Sustainability wird fortgesetzt. 
  • Demonstration und Methoden: Es werden spezifische Methoden, Musterbeispiele und Demos für den gesamten DDP-Lebenszyklus entwickelt und präsentiert-

 

Das sagt die Projektkoordination:

„Die Projektgruppe DDP hat auch im Jahr 2025 ihre Ziele vollständig erreicht und hervorragende Ergebnisse erzielt. Zusätzlich hat die Arbeitsgruppe die Standardisierungsaktivitäten bei der Object Management Group (OMG) unter dem Namen CASCaRA weiter maßgeblich unterstützt. Wie geplant wurde hierzu mit der Initial Submission ein entscheidender Schritt getan. Durch die Standardisierungsaktivitäten konnte außerdem die Außenwirkung des Projekts deutlich erhöht und weitere Mitglieder für das Projekt gewonnen werden. Wir bedanken uns für das große Engagement unserer Mitglieder, insbesondere bei unserem Technischen Projektleiter Michael Kirsch und der Projektkoordination.“

 

Das sagt die Projektleitung:

„Die erfolgreichen CASCaRA-Aktivitäten haben die globale Relevanz des DDP bestätigt, unser Fokus liegt nun auf dem nächsten Schritt: der Industrialisierung. Im Jahr 2026 werden wir Anwender-Unternehmen und Software-Vendoren durch konkrete End-to-End Demonstrationen und die Finalisierung unserer Use Cases (MBSE, Joining, Sustainability) unterstützen. Die enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Partner-Arbeitsgruppen wie LCE bleibt dabei der entscheidende Erfolgsfaktor.“

Projektleitung

Pate(n) WF
Oliver Klaar | ZF Friedrichshafen AG
Daniel Krems | AVL List GmbH

prostep ivip Kontakt (Koordination)

Torsten Schmied
 +49 (221) 179188-156
Torsten.Schmied@PROSTEP.com

Technischer Projektleiter

Michael Kirsch
+49 151 14832300 
michael.kirsch@em.ag

Teilnehmer

  • :em engineering methods AG
  • Anark Corporation
  • AVL List GmbH
  • Elysium
  • Inomic
  • Jaxa
  • Mercedes-Benz AG
  • MTU
  • PROSTEP AG
  • RTX (Collins Aerospace, Pratt & Whitney, Raytheon)
  • Robert Bosch GmbH
  • SodiusWillert
  • The Boeing Company
  • VDA - Verband der Automobilindustrie e.V.
  • Volkswagen AG
  • ZF Friedrichshafen AG