ProSTEP iViP Association - Newsdetail

April 2008 - Randvoll: an Themen, Teilnehmern und Ideen

April 2008 - Darmstadt – Einen Teilnehmerrekord verzeichnete das unter dem Motto „Vitality of Standards – Service Orientation for Dynamic Enterprises“ stehende elfte ProSTEP iViP Symposium am 9. und 10. April 2008 in Berlin. Dazu beigetragen haben zum einen die Ausweitung des Programmangebotes sowie die erstmals angebotenen Themensessions zu ausgewählten Themen wie beispielsweise Sicherheit oder Mechatronik, aber auch die Öffnung hin zu anderen Fachbereichen und Industriesegmenten. Das Angebot der Veranstaltung – Hauptsponsoren waren Microsoft und Continental – traf ins Schwarze.

Das 2005 bei 360 Teilnehmern noch großzügig wirkende Ludwig Erhard Haus in Berlin platzte in diesem Jahr aus allen Nähten. Die Anmeldeseite im Internet verkündete bereits in der Woche vor dem Kongress: Ausgebucht! Für die Anwesenden wurde es „kuschelig“, wie Ulrich Ahle, Siemens IT Solutions and Services und Mitglied des ProSTEP iViP-Vorstands, in seiner Begrüßung ankündigte. Mehr als 450 Teilnehmer – ein Plus von 25 Prozent – aus 146 Unternehmen und Organisationen in 16 Ländern waren gekommen und verfolgten insgesamt 43 Vorträge – im Vorjahr 32 – in drei parallelen Sessions. Auch das Angebot der vier Workshops zu Themen wie Serviceorientierte Architektur (SOA) oder Requirements Management wurde intensiv genutzt. Von 21 auf 27 kletterte die Zahl der IT- und Dienstleistungsanbieter in der begleitenden Ausstellung. Mit einem solchen Erfolg hatte niemand gerechnet, zumal Veranstaltungsorganisatoren allenthalben eher über sinkende Besucherzahlen berichten. Ein Zeichen für die großen Herausforderungen, vor denen die Entwicklungsbereiche der Industrie derzeit stehen.

Guus Dekkers, CIO der Automotive Divisions bei Continental, gab mit seiner Keynote einen Erfahrungsbericht über einen der bisher größten Zusammenschlüsse in der automobilen Zulieferindustrie, der aus Siemens VDO und Continental 2007 einen Konzern mit einem Umsatz von mehr als 25 Milliarden Euro und 140.000 Mitarbeitern gemacht hat. Was die gesamte Industrie derzeit beschäftigt und beinahe jeden direkt oder indirekt betrifft, brachte Guus Dekkers auf den Punkt: „50 Prozent der bei Zusammenschlüssen erwarteten Einsparungen und Synergieeffekte werden durch IT erst ermöglicht, auch wenn sie nicht allein dadurch zu erreichen sind. Aber 75 Prozent der im Zusammenhang mit einem Merger auftretenden Integrationsprobleme betreffen gerade die Integration der IT.“ Die Empfehlungen von Guus Dekkers: Harmonisierung erst der Daten, dann der Funktionen. Keine Religionskriege. Kein Monsterprojekt, sondern lieber weniger perfekte, aber wirksame Zwischenlösungen. Dafür sorgen, dass das Geschäft gut weiterläuft. Bei Continental war die neue Struktur in vier Monaten implementiert.

In seinem Plenumsvortrag griff Santiago Cabezas, Mentor Graphics das Thema Mechatronik und EES auf. Im Zentrum seines Beitrages stand das unter Federführung von Mentor Graphics vor drei Jahren im ProSTEP iViP Verein initiierte Projekt ECAD/MCAD Collaboration, das mit der Vorlage der ProSTEP iViP Empfehlung PSI 5 einen wichtigen Meilenstein erzielt hat. Noch in diesem Jahr, so Santiago Cabezas, werden erste kommerzielle Lösungen auf der Grundlage von PSI 5 verfügbar sein.

Ob globale Zusammenschlüsse, verteilte Entwicklungsnetzwerke oder interdisziplinäre Zusammenarbeit – die Frage der Prozessbeherrschung dominierte alle anderen Themen, und zwar quer über die Schwerpunkte, Anwendungsbereiche und Fachdisziplinen hinweg. CAD stand dabei auffallend selten im Vordergrund, häufiger PDM und PLM. Noch nie wurden so viele Lösungen präsentiert, die das unternehmensspezifische Herangehen an die Beschreibung, Organisation und Steuerung der Prozesse selbst zum Inhalt hatten. Oft lieferte dabei gerade die ungewohnte Sicht einer anderen Sparte besonders anregende Ideen. Gut angenommen wurde jedenfalls der Themenschwerpunkt ‚Blick in andere Branchen’, in dessen Rahmen sich vor allem Schiffbau, Flugzeugindustrie und Medizintechnik vorstellten.

Die Suche nach der nächsten Generation technologischer und organisatorischer Ansätze geht weiter. Die Keynote von Alfred Katzenbach, Direktor IT Management Research and Development der Daimler AG und Vorstand des ProSTEP iViP Vereins, hieß: ‚Engineering IT Goes SOA’. Alfred Katzenbach: „Wir machen bei Daimler kein SOA-Projekt. Wir formulieren Leitlinien und bauen ein Rahmenprogramm auf, an dem sich künftige Projekte orientieren müssen.“ Die Kunst wird in der Beschränkung auf das Machbare bestehen. Bei Daimler sind für 15 verschiedene Rollen Arbeitsplätze als ‚Common Engineering Clients’ geplant. Ein Engineering Service Bus sorgt dann für die Belieferung des Arbeitsplatzes mit den Services, die für die jeweilige Rolle, etwa des Gesamtfahrzeugkonstrukteurs, zum Beispiel Input aus unterschiedlichen Systemen beschaffen. Ein erster Prototyp wird noch 2008 ausgerollt. Für Daimler steht fest, dass SOA kein Hype ist, sondern ein wichtiges Ziel auf einem langen Weg, dessen erster Schritt nun gemacht wird.

Die Abschluss-Keynote hielt Professor Martin Eigner, Universität Kaiserslautern und Vorstand des ProSTEP iViP Vereins: „Das Leitprojekt integrierte Virtuelle Produktentstehung (iViP) aus dem Jahr 1998, dem der Verein einen Teil seines Namens verdankt, verpflichtet eigentlich zu einem Folgeprojekt. Es sollte darin bestehen, alle bisher entwickelten Ansätze zu einem einzigen, umfassenden Forschungsansatz zu verbinden.“ Mit dem Großprojekt – Arbeitstitel ‚Holistische Optimierung der Produktentstehung (HOPE)’ – soll die Nutzung von Engineering IT auch in die Breite der kleinen und mittelständischen Unternehmen getragen werden: „Die Optimierung der Prozesse kann nur erfolgreich sein, wenn sie nicht zwischen den Großserienfertigern und ihren kleineren Partnern steckenbleibt, weil die modernen Methoden dort nicht oder nur in geringem Umfang unterstützt werden.“

Gleich zwei große Zukunftsperspektiven standen damit am Ende des mit Abstand erfolgreichsten Symposiums seit Gründung des ProSTEP iViP Vereins vor 15 Jahren. Die Aktivitäten wachsen in verschiedene Richtungen: Neue Branchen werden erreicht, neue Themen adressiert, neue Ansätze gefunden und verfolgt. Kein Wunder, dass dabei die Räume für das Symposium mitwachsen müssen.


Von: Pro STEP iViP



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