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ProSTEP iViP Symposium 20. und 21. April 2005

Rückblick

Mit mehr als 360 Teilnehmern aus 18 Ländern brach das ProSTEP iViP Symposium 2005, das am 20. und 21. April im Ludwig Erhard Haus in Berlin stattfand, erneut den Vorjahresrekord. Und während Messen und Kongresse allenthalben um Aussteller und Besucher ringen, stieg auch die Zahl der Aussteller um 50 Prozent auf 21.
Das Tagungsprogramm bot unter dem Motto "Creating Collaborative Environments: Scalable - Effective - Secure" an zwei Tagen 30 Vorträge und sieben gut besuchte Workshops. Eingerahmt wurde die Veranstaltung von zwei Keynotes zu Beginn und zum Abschluss, die die Zukunft unmittelbar in den Plenumssaal trugen. Die beiden Sprecher vertraten zwei der weltgrößten Elektronik-Konzerne und zugleich den Gastgeber bzw. Sponsor: Siemens und IBM.
Dr. Bernhard Nottbeck, Vice President Corporate Technology bei der Siemens AG, trug zur Eröffnung unter dem Titel "Visionen für eine kommende Generation – gemeinsam Arbeitswelten gestalten" die Ergebnisse der Studie "Horizons2020" vor, die bei der Münchner TNS Infratest in Auftrag gegeben und im Oktober 2004 abgeschlossen wurde. In dieser Studie werden Szenarien als Denkanstöße entwickelt, die bei Siemens nun in "Pictures of the Future" übersetzt werden, um die möglichen Weichenstellungen in der Zukunft vorstellbar zu machen.


In einem Punkt konnte Dr. Nottbeck den Zuhörern eine sichere Voraussage machen: Das digitale Produkt der Zukunft ist nicht mehr das bloß geometrische Modell der Mechanik, sondern ein "Digital Master" mit der Gesamtfunktionalität eines Systems. Das Ziel ist die virtuelle Darstellung des künftigen Produktes und seiner gesamten Fähigkeiten und Eigenschaften, um letztlich ohne physikalischen Prototyp in Serie gehen zu können.
Der Vortrag war Steilvorlage für die folgenden Redner und Workshops. Die Erweiterung des Begriffs Produktlebenszyklus Management (PLM) auf den gesamten Lebenszyklus und auf das erweiterte, virtuelle Unternehmen erwies sich als das eine große Thema, dem sich die Redner aus Industrie und Forschung stellten. Die Integration aller Fachdisziplinen, ihrer Prozesse und ihrer Daten, vor allem die integrierte Entwicklung mechatronischer Systeme, entpuppte sich als die zweite große Baustelle, auf der die Industrie der Zukunft errichtet wird.
PLM ist nicht nur "PDM und ein bisschen oben drauf", wie Prof. Martin Eigner, Lehrstuhl für Virtuelle Produktentwicklung an der Technischen Universität Kaiserslautern, in seinem Vortrag feststellte. "Auf die rasante Zunahme der Elektronik und Software an der Wertschöpfung sind die heutigen Prozesse nicht genügend eingestellt." Die Lösung setzt für ihn das "Cross Enterprise Engineering" mit den Themen vertikalen, kollaborativen Project Managements im Netzwerk, Kommunikation auf Basis eines tatsächlich umfassenden, virtuellen Produktes und Koexistenz neuer Technologien mit vorhandenen IT-Infrastrukturen voraus.
Unter solchen Bedingungen müsse Standardisierung, wie sie sich der ProSTEP iViP Verein auf die Fahne schreibt, schnell, zeitgenau, innovativ und international sein. Deshalb stünden künftig Handlungsempfehlungen, öffentlich verfügbare Spezifikationen und eine effektive Teamarbeit von Industrie, Standardisierung und Forschung im Zentrum.


Die parallel zu den Vortragsreihen durchgeführten Workshops dienten einerseits der Bewertung von Ergebnissen der Vereins-Projektgruppen, andererseits kamen aus ihnen wieder Vorschläge für neue Aktivitäten. Eine Projektgruppe soll sich den Punkten Requirements Management, Produktstruktur und Konfigurationsmanagement in der Mechatronik-Entwicklung widmen. Der Workshop zum Austausch von Visualisierungsdaten machte deutlich, dass mehr Vertreter aus den Disziplinen Elektronik und Software ins ProSTEP iViP Boot geholt werden müssen. Der Workshop Knowledge Based Engineering (KBE) im unternehmensübergreifenden Entwicklungsprozess zeigte den Bedarf an einer Vertiefung des Themas in einer neu zu bildenden Projektgruppe.
Prof. Frank-Lothar Krause, Vorstandsmitglied des ProSTEP iViP Vereins und Bereichsleiter Virtuelle Produktentstehung des Fraunhofer IPK, trug die Ergebnisse der Studie "Engineering 2010 - Setting the Course for Innovative Engineering" vor, die 2004 von sechs Instituten im Auftrag des Vereins erstellt wurde. Einige der festgestellten Trends: Nach Digital Mock-up kommt das Functional Mock-up; Virtual Reality braucht bessere Mensch-Maschine Schnittstellen für größere Akzeptanz; Collaborative Project Engineering wird zum Antrieb des Datenmanagements aus dem Projekt heraus führen.
In der abschließenden Keynote zog Martin Jetter, Geschäftsführer IBM Deutschland GmbH, konkrete Zahlen aus der IBM-Geschichte der letzten 20 Jahre als Beleg für die dringend notwendige Transformation der Industrie heran. Vom Star mit sechs Mrd. $ Gewinn Mitte der 80er musste der Konzern 1989 durch ein Tal mit acht Mrd. $ Verlust und der Halbierung der Mitarbeiterzahlen auf 220.000, bevor gegen Ende der 90er Jahre mit 320.000 Mitarbeitern wieder 6 Mrd. $ Gewinn verbucht werden konnten. Martin Jetter: "Einsparungen sind nicht ohne hohe Investitionen erreichbar. Die Industrie in Deutschland braucht eine ähnliche Bereitschaft zur Transformation, wie wir sie damals aus der Erfahrung des nahen Todes heraus hatten."

Im Vorwort zu den Proceedings hatte Heinz-Simon Keil, Siemens AG, festgestellt: "Als Plattform für Strategiediskussionen und Zusammenarbeit mit Hinblick auf abgestimmte Verfahren bietet der Verein die Gelegenheit, die Zukunft aktiv mitzugestalten." Dies hat die Veranstaltung eindrucksvoll untermauert.


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